Vermittlungsvorschlag zwischen Esoterikern und Skeptikern

- Eine Diskussionsanregung -


Daß Placebos eine Heilwirkung haben, ist auch unter Wissenschaftlern anerkannt. Daraus folgt m.E., daß es neben "wissenschaftlichen" Heilmethoden auch solche geben sollte, die den Placeboeffekt so gut wie möglich verstärken.

Der Placeboeffekt ist jedoch eine Heilwirkung, die nur dann eintritt, wenn lediglich "Eingeweihte" wissen, daß es "'nur' um Placebo" geht, und damit steht er im Widerspruch zu einer völlig wissenschaftlichen Anwendung:

"Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung, seine Weitergabe durch Lehre, der gesellschaftliche, historische und institutionelle Rahmen, in dem dies organisiert betrieben wird, sowie die Gesamtheit des so erworbenen menschlichen Wissens."
(Quelle: Wikipedia)
"Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós „innerlich“) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist - im Gegensatz zu Exoterik als öffentlichem Wissen."
(Quelle: Wikipedia)

M.E. muß die Nutzung des Placeboeffektes vor wissenschaftlichen Strukturen geschützt werden. Es muß Placebo-Verstärkungsmethoden geben, die völlig unwissenschaftlich irgendwelche Placebo-Anwendungen kultivieren, und dabei müssen nicht nur die Patienten von der Wirksamkeit der jeweiligen Methoden überzeugt sein, sondern auch diejenigen, die die Methoden anwenden. Wikipedia schreibt: "Der Placeboforscher Bertrand Graz hält die Korrelation zwischen der positiven Erwartungshaltung des Arztes und dem Heilerfolg einer Behandlung für so bedeutsam, dass er für diesen Wirkfaktor eine neue Bezeichnung "curabo effect" (curabo: lat. "ich werde heilen" an Stelle von Placebo (lat. „ich werde gefallen“) vorschlägt."

Doch der Gedanke, den Placeboeffekt selbst zu verstärken, paßt nicht zu dem, was wissenschaftlich ausgebildete Menschen gelernt haben: Ihre Doppelblindstudien nutzen den Placeboeffekt lediglich als Referenzgröße, und ein neuer Wirkstoff wird dann anerkannt, wenn er mehr Wirkung als der Placeboeffekt zeigt. Deshalb reden Wissenschaftler gern von "das ist doch 'nur' ein Placeboeffekt", weil der Placeboeffekt in ihren Augen kein ernstzunehmender Effekt sondern immer die Nulllinie ist, über die sie hinauskommen wollen mit ihren Heilmethoden.

Nach meiner Ansicht ist schon die Aussage "es ist doch 'nur' ein Placeboeffekt" völlig unwissenschaftlich: Entweder eine Methode hat einen Effekt, oder sie hat keinen Effekt. Sobald da ein Effekt erkennbar ist, müssen wissenschaftlich denkende Menschen diesen Effekt genauso ernst nehmen wie jeden anderen. Es gibt keine zweitklassigen Effekte. Alles, was wirkt, muß ernst genommen werden, auch wenn da "'nur' der Placeboeffekt" wirkt.

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Für mich folgt aus diesen Gedanken:

  1. Homöopathie, Akupunktur, Bach-Blüten,... und andere Placebo-Verstärkungsmethoden sind auch von wissenschaftlich denkenden Menschen anzuerkennen.

  2. Wer den Glauben an solche "unwissenschaftlichen Heilmethoden" zerstört, nimmt der ärztlichen Kunst eines ihrer Instrumente weg.

  3. Besser als der "Kampf gegen unwissenschaftliche Heilslehren" ist es, Menschen dazu zu bringen, solche Placebo-Verstärker nur unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden. Vermutlich ist eine optimale Therapie erreichbar durch Kooperation eines schulmedizinischen Arztes mit einem Heiler, der selbst daran glaubt, aber letztlich eine Placebo-Verstärkungstherapie einsetzt.
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Vorgeschichte dieser Aktion

Das Unperfekthaus ist ein neuartiges Gründer- und Kreativzentrum in einem ehemaligen Kloster in der Innenstadt von Essen. Privatwirtschaftlich betrieben, keine Sekte, keine Kirche, das Haus hat noch nicht einmal eine eigene Weltanschauung sondern achtet sehr darauf, selbst NEUTRAL zu bleiben. Wir sind ein offener Ort, zu dem jede(r) abends kommen kann, es gibt tolles Essen, man kann herumgehen, Kunstwerke betrachten, Gespräche führen, sich Vorträge oder Musik anhören, was auch immer gerade läuft. Oder man wird selbst als Individuum, Gruppe oder Unternehmen aktiv.

Anfang 2010 haben wir zum ersten Mal erlebt, welche Auswüchse der z.T. fanatisch geführte Kampf zwischen esoterisch und wissenschaftlich denkenden Menschen erreicht hat: Wir bekamen eine ganze Reihe von Mails, in denen "engagierte Bürger" dafür sorgen wollten, daß die im UpH geplante Veranstaltung einer schwer esoterisch angehauchten Gruppe von gutmeinenden jungen Leuten verboten werden sollte. Wir haben daraufhin im Haus intensive Diskussionen geführt, Kontakt mit der Sekteninfo und der AIDS-Hilfe aufgenommen und als Inhaber des Unperfekthauses habe ich mich dafür entschieden, den esoterischen Gruppen genauso eine Bühne zu geben wie den Skeptikern und vielen anderen wissenschaftlich oder technisch orientierten Gruppen im Haus.

Die NEUTRALITÄT des Unperfekthauses ist mir sehr wichtig, und wir nutzen die hier gemachten Erfahrungen dafür, nach Kräften zwischen den "verfeindeten Gruppen" zu vermitteln und auf einen positiven Umgang miteinander zu dringen:

  • Hier ein von mir anonymisiertes Beispiel für einen Mailwechsel mit einem mysteriösen "Arbeitskreis Enigma", der vor den Esoterikern gewarnt hat aber sich selbst nicht zu erkennen geben will.
  • Hier ein von mir anonymisiertes Beispiel für einen Mailwechsel mit "besorgten Bürgern", die vor esoterischen Gefahren warnen.
  • Hier unser "Herz oder Verstand"-Flyer , den wir im Unperfekthaus verteilen.
  • Hier unser "Meinungsfreiheit"-Flyer, den wir im Unperfekthaus verteilen.

Hintergrund

Dies ist der Vorschlag von Reinhard Wiesemann, der keine medizinische Ausbildung hat, aber

  • als Mitglied der Skeptiker sehr von wissenschaftlichem Denken überzeugt ist,
  • der gleichzeitig als Gründer des Unperfekthauses auch Kontakt zu esoterisch denkenden Menschen hat,
  • und der sich nicht mit Erklärungen zufrieden gibt, die darauf beruhen, daß irgendeine Gruppe einfach nur "dumm, verbohrt, verschworen, böswillig" ist.

Der "Kampf" zwischen beiden Denkweisen nimmt teilweise fanatisches Ausmaß an, deshalb diese Aktion, um ein kleines Bißchen zu vermitteln und auf beiden Seiten zu mehr Respekt und Offenheit der anderen Seite gegenüber aufzurufen.

Die Skeptiker rotieren seit Jahren im immer gleichen Thema "Homöopathie und viele andere Heilslehren sind unwissenschaftlich und gefährlich. Es hat schon Tote gegeben, weil nicht rechtzeitig schulmedizinisch behandelt wurde".

Demgegenüber stehen Esoteriker, die in wissenschaftlichen Ansätzen und z.T. sogar in unserer gesamten Gesellschaft bösartige Verschwörungen sehen, die die Kälte der modernen Welt kritisieren und sich durch das Bilden menschlicher Gemeinschaften davon distanzieren. "Wir gegen den bösen Rest der Welt" ist das Gefühl, über das so manche esoterische Gemeinschaft immer mehr Anhänger findet.

Auf beiden Seiten werden Feindbilder kultiviert, und man weigert sich, auf den Veranstaltungen der jeweils anderen aufzutreten. Die hier vorgestellte Denkweise ist m.E. für beide Seiten akzeptabel:

  • Alles, was wissenschaftlich denkende Menschen für richtig halten, bleibt richtig. Skeptiker haben m.W. nie den Placeboeffekt bei den von ihnen kritisierten Heilmethoden in Frage gestellt. Nach meiner Ansicht können Skeptiker sich der hier vorgestellten Denkweise problemlos anschließen.
  • Esoterisch denkende Menschen können weiter dafür kämpfen, daß ihre jeweiligen Heilmethoden eben kein Placebo sind, sondern ganz anders und viel besser. Sie müssen das in der hier vorgestellten Denkweise sogar tun, und es ist gut, daß sie das tun!
  • WICHTIG ist aber, daß Patienten immer auch die jeweils andere Heilmethode gleichzeitig ernst nehmen. Wenn man Placeboeffekt UND wissenschaftliche Heilmethoden ernst nimmt (alles andere wäre m.E. nicht sehr klug, denn man sollte ALLE Heileffekte nutzen), dann sollte man sich weder auf den Schulmediziner einlassen, der bei kleinsten Beschwerden gleich mit der chemischen Keule kommt, noch auf den Alternativ-Mediziner, der nie gelernt hat, was wir heute über die jeweiligen Krankheiten wissen und in der Gefahr ist, zu lange mit Kräuterchen, Nädelchen und Pillchen herumzudoktorn und damit den Zeitpunkt verpaßt, an dem Heilung durch Schulmedizin noch möglich wäre.

Logo Unperfekthaus
Placebo-Verstärker ist eine Aktion des Unperfekthaus, Inh. Reinhard Wiesemann, Friedrich-Ebert-Str. 18, 45127 Essen-City
Tel. 0201-84735-0, Web: www.unperfekthaus.de, Mail: info@unperfekthaus.de, UStID DE 180305557, Anfahrtsbeschreibung

Mitten im Künstlerdorf: Seminarräume, Betriebsfeiern, Hochzeiten, Geburtstage - mit Übernachtungsmöglichkeit.

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